Refinish Innovation Day von Akzo Nobel und Carbesa: Prozesse, Energie, Daten und Networking
Posted by: Mario Borri
Beim Refinish Innovation Day von Akzo Nobel und Carbesa im Akzo-Nobel-Schulungszentrum in Bäretswil drehte sich vieles um die neue Sikkens-Optima-Linie – eingebettet in die Frage, wie sich Reparaturlackierprozesse mit weniger Energie, klareren CO₂-Daten und mehr Effizienz zukunftsfähig aufstellen lassen.
Amedeo Bonorva begrüsst die Teilnehmenden des Refinish Innovation Day zum Nachmittagsprogramm im Restaurant Ochsen in Bäretswil.
Anfang Juli begrüsste Amedeo Bonorva rund 70 Teilnehmende zum zweiten Refinish Innovation Day im Akzo-Nobel-Schulungszentrum in Bäretswil (ZH). Die erste Ausgabe des Anlasses hatte Mitte Juni in Oensingen (SO) bei Glas Trösch und Carbesa stattgefunden. Unter den Gästen waren Fachleute aus der Carrosserie- und Lackierbranche sowie Vertreter von Versicherungen und Flotten. Der Country Sales Manager VR Switzerland bei Akzo Nobel ordnete den Standort in Bäretswil als Schweizer Niederlassung des Refinish-Bereichs von Akzo Nobel ein und spannte den Bogen zum Konzern mit über 31’500 Mitarbeitenden und einem weltweit breit abgestützten Beschichtungsgeschäft. Anschliessend stellte Geschäftsführer Mathias Dufaux Carbesa als Teil der Glas Trösch Gruppe vor. Das Unternehmen positioniert sich als Partner für Carrosserie- und Lackierbetriebe – mit Verbrauchsmaterialien, Investitionsgütern, Service und Weiterbildung.
CO₂-Transparenz als Marktthema
Den ersten Fachvortrag hielt Andreas Hofer von Enerprice. Er zeigte auf, wie stark Energie- und Klimafragen inzwischen mit Marktanforderungen, Gesetzen und Förderinstrumenten verknüpft sind. Betriebe müssten ihre Stakeholder kennen – von Versicherungen und Flotten über Kunden bis zu regulatorischen Vorgaben – und ihre Emissionen entlang von Scope 1, 2 und 3 verstehen. CO₂-Transparenz werde zunehmend auch zu Kostentransparenz und damit zum Wettbewerbsfaktor.
Claudio Vetri rückt Optima ins Zentrum
Anschliessend rückte Claudio Vetri, der technische Leiter von Akzo Nobel Coatings Schweiz, das neue Produkt ins Zentrum. Im Werkstattbereich des Schulungszentrums stellte er die Sikkens-Optima-Linie vor, die Akzo Nobel als Antwort auf steigenden Zeit-, Energie- und Kostendruck positioniert. Vetri sprach über kürzere Kabinenzeiten, schnellere Applikation und einen effizienteren Ablauf im Basislackprozess. Und ein Lackierer führte die verschiedenen Produkte live vor. Erste Schweizer Betriebe werden nun auf Optima umgestellt – bewusst erst nach einer Einführungsphase in anderen Ländern, um Erfahrungen in die hiesige Markteinführung einfliessen zu lassen.
Weniger Schichten, weniger Energie
Konkret setzt Sikkens Autowave Optima auf einen One-Stop-Prozess ohne Ablüften zwischen den Schichten. Laut Akzo Nobel genügt bei Voll- und Metallicfarben ein Auftrag von 1 plus 0,5 Schichten. Das soll den Lackierprozess deutlich beschleunigen, die Zahl der Kabinengänge reduzieren und damit Produktivität, Energieeffizienz und CO₂-Bilanz verbessern. Akzo Nobel spricht von bis zu 50 Prozent Zeitersparnis im Basislackprozess, bis zu 60 Prozent weniger Energieverbrauch und CO₂-Emissionen sowie einem reduzierten Materialeinsatz.
Porsche als Praxispartner
Mit Thomas Güntert vom Porsche Zentrum Zug folgte vor dem Mittag ein Praxispartner von Akzo Nobel. Er stellte die Zusammenarbeit mit dem Lackhersteller sowie die Driving Events 2026 vor und spannte den Bogen vom Motorsport über E-Fuels bis zum Porsche GT4 RS, mit dem Akzo Nobel Kunden auf die Rennstrecke einlädt.
Mittagessen und Austausch im Ochsen
Danach wechselte die Veranstaltung ins Restaurant Ochsen, 200 Meter von Akzo-Nobel-Schulungszentrum entfernt, wo die Teilnehmenden beim Apéro und Mittagessen Gelegenheit zum Austausch hatten. Dort wurde auch das Nachmittagsprogramm fortgesetzt – mit einem stärkeren Fokus auf die Frage, wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Werkstattalltag zusammenbringen lassen.
Die Lackierkabine als Energiehebel
Den Auftakt machte ein Gebäudetechnikspezialist von Eicher+Pauli mit einem Blick auf die Lackierkabine als grössten energetischen Hebel im Betrieb. Er zeigte auf, dass bestehende Anlagen oft fossil betrieben und energieintensiv sind, sich aber je nach Ausgangslage mit verschiedenen Massnahmen optimieren lassen – etwa durch Abwärmenutzung, Effizienzsteigerungen oder alternative Wärmelösungen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es keine Patentlösung gibt: Welche Investitionen sinnvoll sind, hängt stark von den technischen und baulichen Voraussetzungen des jeweiligen Betriebs ab.
Netzwerke, Standards und Daten
Im Anschluss sprach Salvatore Malomo, Business Development Manager bei von Akzo Nobel Schweiz, über die Bedeutung von Netzwerken und Standards in einem Umfeld, das von Elektromobilität, Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen geprägt ist. In diesem Zusammenhang stellte er das Sustainable Repair Network von Akzo Nobel vor, das Betriebe unter anderem dabei unterstützen soll, Energie- und CO₂-Daten systematisch zu erfassen und sich im Markt gegenüber Versicherungen, Flotten und weiteren Partnern zukunftsfähig aufzustellen.
Weiterbildung und digitale Werkzeuge
Danach stellte Luca Stauss-Rössner, Project Manager - Energy Efficiency and Renewables bei EBP Schweiz, die Booster-Ausbildung vor, die Carrosserie- und Lackbetriebe beim Aufbau von Wissen rund um Klimaschutz und wirtschaftlich umsetzbare Nachhaltigkeitsmassnahmen unterstützen soll. Res Witschi von Swisscom präsentierte anschliessend mit Green One eine Plattform, die Nachhaltigkeitsdaten aus dem Betrieb bündeln und für Bilanzierung, Planung und Reporting nutzbar machen soll – mit dem Ziel, aus einzelnen Energie- und Verbrauchsdaten eine belastbare Grundlage für betriebliche Entscheidungen zu machen.
Fördergelder vor der Investition beantragen
Zum Abschluss zeigte Luca Stauss-Rössner auf, wie Förderprogramme Investitionen in effizientere Technik unterstützen können. Entscheidend sei, Fördergesuche einzureichen, bevor eine Massnahme umgesetzt werde. Damit schloss sich der Kreis eines Tages, an dem Produktinnovation, Energieeffizienz und neue Marktanforderungen eng zusammengedacht wurden.
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