Carrosserie Suisse Zürich: Kurskorrektur bei der GV – Anreize statt Bussen im Fokus
Posted by: Mario Borri
Am 7. Mai 2026 versammelten sich die Mitglieder der Sektion Zürich im Golfpark Otelfingen zur 80. Generalversammlung. Neben personellen Veränderungen im Vorstand prägte vor allem eine emotionale Debatte über die sinkende Teilnehmerzahl die Versammlung. Die Lösung: Ein innovatives Belohnungssystem soll die Attraktivität der Verbandsanlässe steigern.
Sektionspräsident Michael Oesch begrüsst die Teilnehmenden im Golfpark Otelfingen, Vizepräsident Iwan Aeschlimann sitzt daneben.
Sektionspräsident Michael Oesch blickte auf ein bewegtes Jahr zurück. Trotz erfolgreicher Anlässe wie der QV-Feier in Uster mit 335 Gästen oder der Delegiertenversammlung in Locarno, bereitet die wirtschaftliche Lage Sorgen. «Das Jahr 2026 bleibt spannend. Es gilt, Mitarbeitende zu halten und neue zu gewinnen – und das in einem Umfeld steigender Teuerung und wachsender Betriebskosten».
Olaf Pfeifer, Direktor der Schweiz Technischen Fachschule Winterthur, informierte über den Stand der Dinge beim Schulhaus-Neubau. Während das neue Parkhaus bereits fertiggestellt ist, soll der Rohbau des Schulhauses bis Oktober 2026 stehen. «Wir investieren gezielt, damit sich unsere 630 bis 650 Lernenden an modernsten Geräten entwickeln können.» Er bedauerte jedoch das geringe Echo auf neue Weiterbildungsangebote und rief die Betriebe dazu auf, diese Chancen stärker zu nutzen.
Belohnung für Präsenz
Für Zündstoff sorgte die geringe Präsenz: Nur 21 der 120 Sektionsmitglieder fanden den Weg nach Otelfingen. Besonders kritisiert wurde, dass kein einziges der Neumitglieder anwesend war. «Wer nicht einmal zur ersten GV erscheint, sollte wieder ausgeschlossen werden», war eine der pointierten Forderungen aus dem Plenum.
Direktor Daniel Röschli brachte hier eine interessante Alternative zu klassischen Bussen ins Spiel: «Bussen sind negativ konnotiert. Ein Mittelweg wäre, den Mitgliederbeitrag um 150 Franken zu erhöhen und diesen Betrag jedem, der an der GV erscheint, bar vor Ort zurückzuerstatten.» Dieser Vorschlag fand grossen Anklang. Während der Vorstand ursprünglich eine Busse von 100 Franken für unentschuldigtes Fernbleiben vorgeschlagen hatte, stimmte die Versammlung einstimmig für das «Anreiz-Modell». Der Vorstand wird dieses nun im Detail ausarbeiten.
Strukturwandel und Nachwuchssorgen
Röschli lieferte im Anschluss nachdenklich stimmende Zahlen: 44,4 Prozent der Carrosseriespengler brechen ihre Lehre ab und 84 Prozent der Abgänger verlassen die Branche innerhalb der ersten fünf Jahre. «Stärke entsteht nur durch Beteiligung», so sein Appell. Ein Lichtblick sei die neue digitale Bildungsplattform sowie ein mobiler Bildungsanhänger, der am Trucker & Country-Festival im Juni Premiere feiern wird. Der Anhänger steht in einer ersten Phase den Sektionen und später auch Mitgliederbetrieben zur Verfügung.
Abschied
Zum Abschluss der Versammlung wurde Sandro Carnazza nach fünf Jahren Vorstandstätigkeit mit grossem Dank verabschiedet. Präsident Oesch nutzte die Gelegenheit für einen Aufruf: «Wir sind ein starkes Team und ich motiviere jeden, aktiv im Vorstand mitzuwirken und die Zukunft unserer Branche mitzugestalten.»
Der Abend klang beim gemeinsamen Nachtessen aus, wo die neu gefassten Beschlüsse und die Zukunft der Carrosserieberufe noch lange weiterdiskutiert wurden.
https://www.carrosseriesuisse.ch/de/mitglieder/sektionen/zuerich



