Der Ersatz beschädigter Autoteile kann 8-mal so teuer sein wie eine Reparatur
Posted by: Mario Borri
Es lohnt sich, bei Autoreparaturen genau hinzuschauen: Eine neue Comparis-Analyse zeigt grosse Kostenunterschiede zwischen der Reparatur und dem Ersatz beschädigter Autoteile. So kostet etwa der Ersatz einer Vordertür im Schnitt über 8-mal so viel, wie die Reparatur.
Ein Autoschaden ist unangenehm. Doch bei den Kostenfolgen muss es nicht zwingend unangenehm weitergehen. Das zeigt eine neue Analyse des Vergleichsdienstes comparis.ch auf Basis von rund 7,3 Millionen erfassten Arbeitsvorgängen bei Autoreparaturen in der Schweiz. Ob etwa eine beschädigte Vordertür ersetzt oder repariert wird, macht bei den Kosten einen riesigen Unterschied. Die eigentliche Reparaturarbeit kostete 2025 im Schnitt 135 Franken. Der Ersatz dagegen kostete gleich 1’134 Franken - also über 8-mal so viel. Selbst wenn bei einer Reparatur noch die Lackierungskosten von 267 Franken dazukommen, bleibt die Differenz gross: Der Ersatz kostet dann noch immer fast dreimal so viel wie Reparaturarbeit und Lackierung zusammen. Solche Unterschiede schmerzen auch in einer Zeit steigender Reparaturkosten.
Auch bei anderen typischen Schadenpositionen zeigen sich grosse Unterschiede. Der Ersatz einer Hintertür kostet ebenfalls mehr als 8-mal so viel wie die eigentliche Reparaturarbeit. Bei Stossstangen und Motorhaube ist der Ersatz rund 5- bis 6-mal so teuer wie die Reparaturarbeit. Bei der Seitenwand kostet der Ersatz über 4-mal so viel, bei der Rückleuchte rund 4-mal so viel. Beim vorderen Kotflügel beträgt der Unterschied fast das 4-Fache.
Die Beträge für Ersatz und Reparatur lassen sich nicht vollständig eins zu eins vergleichen. Denn manchmal ist eine Reparatur technisch, wirtschaftlich oder aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr möglich, weil ein Bauteil zu stark beschädigt ist. Ersatzfälle betreffen zudem häufig gravierendere Schäden. Die ausgewiesenen Kosten sind deshalb nicht als direkter Preisvergleich für identische Schäden zu verstehen.
Trotzdem sieht die Schweizer Fahrzeugdaten- und Kalkulationsanbieterin auto-i-dat beim Reparieren statt Ersetzen erhebliches Potenzial. Auf deren Webseite wird es gar als das grösste Potenzial der Branche bezeichnet, um Kosten zu senken und gleichzeitig Ressourcen zu schonen. «Autohaltende sollten unbedingt in der Werkstatt nachfragen, ob ein Bauteil wirklich ersetzt werden muss, oder ob eine Reparatur noch möglich ist», sagt Comparis-Autoversicherungsexperte Harry Büsser.
«Eine beschädigte Autotür lässt sich nicht einfach wie eine Zimmertür aushängen und ersetzen», erklärt Büsser. Je nach Fahrzeug müssen Innenverkleidung, Fensterheber, Kabel, Lautsprecher, Spiegel, Schlösser, Sensoren, Dichtungen und weitere Komponenten aus- und wieder eingebaut werden. Danach können Einstell- und Kalibrierungsarbeiten nötig sein. Häufig müssen zudem angrenzende Teile demontiert oder mitlackiert werden.
Ähnliches gelte auch für den Ersatz anderer Autoteile. Das sollten Autohaltende bedenken, wenn sie in der Garage gefragt werden, ob ein beschädigtes Bauteil ersetzt oder repariert werden soll. «Es geht nicht darum, einen technisch notwendigen Ersatz zu verhindern. Es geht darum, einen noch reparierbaren Schaden nicht vorschnell mit einem neuen Bauteil zu beheben», so Büsser.
In der Branche seien die wirtschaftlichen Anreize häufig eher auf Ersatz als auf Reparatur ausgerichtet. «Mit dem Verkauf und Einbau neuer Bauteile lässt sich in der Regel mehr Umsatz erzielen als mit deren Instandstellung. Umso wichtiger ist es, dass Kundinnen und Kunden aktiv nachfragen, ob eine Reparatur technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist», sagt Büsser.
Auch wenn eine Reparatur viel günstiger als der Ersatz eines Autoteils bleibt, zeigt die Comparis-Analyse der Schadenfälle, dass sich Reparaturen relativ betrachtet stärker verteuert haben als der Ersatz. Bei einer Hintertür erhöhten sich die Kosten der eigentlichen Reparaturarbeit von 92 Franken im Jahr 2023 auf 134 Franken im Jahr 2025. Das ist ein Plus von knapp 50 Prozent. Rechnet man die durchschnittlichen Lackierkosten hinzu, stiegen die erfassten Kosten von rund 330 auf rund 380 Franken – also um rund 15 Prozent. Bei einer Seitenwand verteuerte sich die erfasste Reparaturarbeit um 41 Prozent, bei einem vorderen Kotflügel um 32 Prozent.
«Reparaturen sind teurer geworden. Wo es technisch möglich ist, bleiben sie aber die wirtschaftlichere Lösung. Deshalb sollten Autofahrende nicht nur nach dem Endpreis fragen, sondern sich auch erklären lassen, welche Arbeiten vorgesehen sind. Nach der Möglichkeit einer Reparatur zu fragen, lohnt sich immer», so das Fazit von Büsser.



