Chery: Eine weitere China-Marke ist in der Schweiz gestartet
Posted by: Mario Borri
Vier Hybrid-SUV mit viel Ausstattung zu günstigen Preisen: So will der chinesische Hersteller Chery Schweizer Familien gewinnen. Der A&W Verlag war beim Launchevent dabei und sammelte im Topmodell Tiggo 9 erste Fahreindrücke.
Wer bei JED Events im ehemaligen NZZ-Druckzentrum in Schlieren (ZH) die Präsentation verfolgte, bekam eine Vorstellung von den Dimensionen dieses Herstellers. Chery wurde 1997 im chinesischen Wuhu gegründet, 1999 lief das erste Auto vom Band. Bereits 2001 begann der Export, seit 2003 führt das Unternehmen die chinesische Autoexportstatistik an. 2022 verkaufte Chery erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge, 2025 waren es bereits 2,8 Millionen. Davon gingen 1,3 Millionen in den Export. Auch in Europa gewinnt Chery an Boden. Zwischen Februar 2024 und September 2026 verkaufte das Unternehmen in der EU mehr als 310'000 Fahrzeuge.
Zum Start neun Standorte
Den Import übernimmt die Luxi Motors AG. Sie ist die Schweizer Tochter der Samelet-Gruppe mit Hauptsitz in Israel. Luxi-CEO Dimitris Chanazoglou kennt die Schweizer Branche unter anderem von seinen Tätigkeiten bei BYD und Polestar. Zum Auftakt stehen neun Garagenpartner in der Deutschschweiz und im Tessin sowie der Flagshipstore an der Zürcher Bahnhofstrasse bereit. Bis Ende 2028 ist ein Vertriebs- und Servicenetz mit 45 Standorten vorgesehen, auch in der Romandie.
Elektrisch im Alltag, mit Benzin auf Reisen
Bei der Premiere vor rund 180 Gästen gehörte die Bühne deshalb vor allem den vier Tiggo-Modellen. Für den Schweizer Einstieg setzt Chery vollständig auf Hybridantriebe. Bei den Plug-in-Modellen heisst die Technik Chery Super Hybrid, kurz CSH. Sie verbindet einen für den Hybridbetrieb ausgelegten 1,5-Liter-Turbobenziner mit elektrischem Antrieb, einem speziellen Hybridgetriebe und einer extern aufladbaren Batterie. Viele Alltagswege sollen damit elektrisch möglich sein, während der Benziner auf längeren Strecken die Reichweite ergänzt.
Europäische Abstimmung aus Frankfurt
Die technische Basis entsteht in China. Für Europa werden die Fahrzeuge jedoch gezielt angepasst. Chery nennt diesen Prozess «Delta Engineering». Eigene Ingenieure in Frankfurt kümmern sich unter anderem um Fahrwerk und Assistenzsysteme. Gefragt sind eine auf europäische Vorlieben abgestimmte Fahrdynamik und Systeme, die mit den hiesigen Strassen, Verkehrszeichen und Vorschriften zurechtkommen.
Das Angebot - Chery Tiggo 4
Der Tiggo 4 markiert den Einstieg in den Chery-SUV-Familie. Auf 4,32 m Länge bietet fünf Personen Platz. Sein Vollhybrid kombiniert einen 1,5-Liter-Benziner mit einem Elektromotor und leistet 120 kW/163 PS. Externes Laden entfällt, den WLTP-Verbrauch gibt Chery mit 5,3 l/100 km an. Bei umgeklappter Rückbank fasst der Laderaum bis zu 1190 Liter. Der Preis: 27'990 Franken.
Chery Tiggo 7
Beim fünfsitzigen Tiggo 7 stehen zwei Antriebskonzepte zur Wahl. Der Vollhybrid leistet 165 kW/224 PS, der Plug-in-Hybrid bringt es auf 205 kW/279 PS. Dessen 18,4-kWh-Batterie ermöglicht bis zu 90 km elektrische Reichweite und lässt sich mit bis zu 40 kW Gleichstrom laden. Mit umgeklappten Rücksitzen stehen beim 4,55 m langen Wagen maximal 1269 Liter Stauraum bereit. Die Preise liegen bei 33'990 beziehungsweise 37'990 Franken.
Chery Tiggo 8
Für Familien mit grösserem Platzbedarf ist der 4,73 m lange Tiggo 8 mit sieben Sitzen gedacht. Sein Plug-in-Hybrid treibt die Vorderräder mit 205 kW/279 PS und 365 Nm an. Die 18,4-kWh-Batterie reicht laut WLTP für bis zu 90 km. Werden beide hinteren Sitzreihen umgelegt, wächst der Laderaum auf 1930 Liter. Der Preis: 41'990 Franken.
Chery Tiggo 9
An der Spitze steht der 4,81 m lange Tiggo 9, ebenfalls ein Siebensitzer, jedoch mit Allradantrieb. Sein Plug-in-Hybridsystem liefert 315 kW/428 PS und 580 Nm. Die Batterie speichert netto 32,4 kWh, ermöglicht bis zu 144 km elektrische Reichweite und lädt mit maximal 70 kW Gleichstrom. Bei voller Bestuhlung bleiben 143 Liter fürs Gepäck. Sind beide hinteren Sitzreihen umgeklappt sind es 2030 Liter. Der Listenpreis beträgt 48'990 Franken.
Bis Ende Jahr gibt es einen Preisnachlass von jeweils 4000 Franken. Für alle Modelle gewährt Chery sieben Jahre oder 150'000 Kilometer Werksgarantie, für die Batterie acht Jahre oder 160'000 Kilometer.
Der Tiggo 9 im ersten Fahrversuch
Wie sich das Gesamtpaket auf der Strasse anfühlt, konnten wir im Tiggo 9 auf einer kurzen Runde um Schlieren erfahren. Der Antrieb hinterliess dabei einen überzeugenden Eindruck. Im EV-Modus fährt der Plug-in-Hybrid rein elektrisch, entsprechend vertraut fühlt er sich für Elektroautofahrer an. Die versprochene Reichweite konnten wir nicht überprüfen. Bei 80 Prozent Akkustand zeigte der Bordcomputer noch 99 Kilometer an.
Weniger gelungen wirkt die Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk. Selbst im Sportmodus bleibt die Lenkung sehr leichtgängig und vermittelt wenig Präzision. Das Fahrwerk wirkt dagegen eher holperig und lässt Fahrbahnunebenheiten deutlich zu den Insassen durchdringen.
Im Innenraum setzt sich das gemischte Bild fort. Die Materialien sehen edel aus, lösen diesen Eindruck beim Anfassen aber nicht immer ein. Die weitgehend über den Touchscreen organisierte Bedienung verlangt Eingewöhnung.
Der Preis öffnet die Tür
Dass chinesische Autos Käufer finden, zeigt BYD. Der Schweizer Marktanteil stieg innert Jahresfrist von 0,9 auf 3,3 Prozent per Ende September. Mit 4586 Neuzulassungen in den ersten drei Quartalen 2026 liegt BYD vor Ford (3575), Opel (2616) und Peugeot (3772). Auch andere Chinesen wie MG und Leapmotor legen rasch zu.
Chery setzt nun besonders konsequent auf tiefe Preise. Trotz erkennbarer leichter Schwächen bietet die Marke viel Auto fürs Geld. Damit ist das Interesse geweckt. Ob daraus Vertrauen und schliesslich ein Kaufentscheid werden, wird sich zeigen.
Interessant wird auch sein, wie sich die Verkäufe der Tiggo-Modelle entwickeln werden, wenn Chery in naher Zukunft drei weitere Marken in der Schweiz auf den Markt bringt – Icaur, Omoda und Jaecoo, letztere beide werden noch in diesem Jahr lanciert.



