21.10.2026

Ablenkung verursacht mindestens jeden dritten Verkehrsunfall

Beim 14. Allianz Motor Day am 21. Oktober 2026 stand eines der grössten Sicherheitsrisiken im Strassenverkehr im Fokus: die Ablenkung am Steuer. Neue Untersuchungen des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigen, dass ihr Anteil am Unfallgeschehen deutlich höher ist als bislang angenommen. Während frühere Schätzungen von rund 10 Prozent der Verkehrsunfälle ausgingen, weisen die aktuellen Analysen auf einen Anteil von mehr als 30 Prozent hin.

Ablenkung verursacht mindestens jeden dritten Verkehrsunfall

Eine gemeinsame Studie des AZT und des auf kognitive Modellierung spezialisierten Unternehmens cogniBIT weist erstmals nach, wie stark sich Ablenkung in ausgewählten kritischen Verkehrssituationen auf das Kollisionsrisiko auswirken kann. Diese Berechnungen basieren auf einem kognitiven Fahrermodell und realen Blickdaten aus einer umfangreichen Fahrzeugstudie.

 

Die Studienergebnisse zeigen die erheblichen Auswirkungen von Ablenkung auf die Verkehrssicherheit: In einem simulierten Notbrems-Szenario auf der Autobahn stieg der Anteil der Unfälle von 18,2 Prozent bei aufmerksamen Fahrern auf 54,3 Prozent bei abgelenkten Fahrern. In einem Szenario, bei dem ein Kind unvermittelt die Fahrbahn betritt, erhöhte sich die Unfallquote von 3,9 Prozent auf 11,2 Prozent. Besonders alarmierend: In 39 Prozent dieser Fälle reagierten die abgelenkten Fahrer überhaupt nicht.

 

Der stark zugenommene Funktionsumfang moderner Fahrzeuge macht die Abbildung bestimmter Funktionen über den Touchscreen notwendig. Dabei wandern Funktionen, die früher intuitiv und ohne Blickkontakt bedient werden konnten, zunehmend in digitale Menüs. Für zentrale und häufig genutzte Funktionen wie das Bedienen der Klimaanlage oder des Radios sind heute oftmals mehrere Eingaben auf dem Bildschirm notwendig. Dadurch richten Fahrer ihren Blick länger und häufiger weg vom Verkehrsgeschehen, was die Fahrsicherheit beeinträchtigen kann.

 

Eine Fahrstudie des AZT unter realen Bedingungen zeigt, dass die Gestaltung des Touch-Bedienkonzepts erheblichen Einfluss darauf hat, wie lange Fahrer bei der Bedienung den Blick von der Strasse abwenden. Beim Vergleich aktueller Fahrzeugmodelle führten identische Alltagsaufgaben zu teilweise deutlich unterschiedlichen Blickabwendungszeiten.

 

Bei einzelnen Aufgaben konnten durch ein günstiger gestaltetes Bedienkonzept bis zu 25 Prozent beziehungsweise rund drei Sekunden Blickabwendungszeit eingespart werden. Die Ergebnisse zeigen: Nicht der Touchscreen selbst ist das Problem, sondern die Art, wie Funktionen in das Bedienkonzept des Fahrzeugs integriert werden.

 

Die Sorgen vieler Autofahrer sind begründet: Nach einer aktuellen Allianz Umfrage unter deutschen Autofahrern sehen 77 Prozent der Befragten in der zunehmenden Digitalisierung des Fahrzeugs einen Treiber für mehr Ablenkung am Steuer. Jeder zweite Fahrer stuft das Ablenkungsrisiko inzwischen als hoch oder sehr hoch ein. Besonders bemerkenswert: 72 Prozent der Fahrer, die in den vergangenen drei Jahren einen Unfall verursacht haben, halten Ablenkung für eine definitive oder mögliche Ursache. Entsprechend gross ist der Wunsch nach einfacherer Bedienung: Über zwei Drittel der Befragten (70 Prozent) sprechen sich für klassische Schalter und Tasten statt verschachtelter Touchscreen-Menüs aus.

 

Forderungen der Allianz auf dem 14. Allianz Motor Day zur Verbesserung der Sicherheit im digitalen Auto

1. Fahrzeughersteller: Relevante Funktionen müssen leicht zugänglich und jederzeit bedienbar sein, zum Beispiel auch per Schalter

Fahrzeughersteller müssen Bedienkonzepte konsequent an den Anforderungen des realen Fahrbetriebs ausrichten. Sicherheitskritische Funktionen wie Scheibenwischer, Blinker, Abblend- und Fernlicht, Warnblinker sowie Scheibenheizung und -entfrostung müssen schnell und intuitiv erreichbar sein. Bedienelemente sollten permanent zugänglich bleiben, entweder über physische Bedienelemente oder über klar definierte, ständig verfügbare Bereiche auf dem Touchscreen. Dies verkürzt die Suchzeit, sorgt dafür, dass der Blick des Fahrers auf der Strasse bleibt, und erleichtert die Bedienung ungewohnter Fahrzeuge. In Europa prämiert Euro NCAP bereits Designs, die direkten Zugriff auf wichtige Funktionen bieten, anstatt diese in Menüs zu verstecken.

 

2. Regulierung und Überwachung müssen mit der Digitalisierung Schritt halten

Regulierungs- und Vollzugsbehörden sollten das Thema Ablenkung systematisch angehen, beginnend mit einer einheitlichen Erfassung. Wirksame Regulierung, Durchsetzung und Technologien zur Überwachung von Ablenkung können dazu beitragen, riskantes Verhalten zu verhindern, das Verständnis für das Problem zu verbessern und Unfälle aufgrund von Ablenkung zu reduzieren. Da Fahrzeuge zunehmend digitaler werden, müssen sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Durchsetzungsmassnahmen weiterentwickeln, um neuen Ursachen für Ablenkung Rechnung zu tragen.

 

3. Autofahrer tragen zentrale Verantwortung

Trotz aller technischen Unterstützung bleibt die Aufmerksamkeit des Fahrers der entscheidende Sicherheitsfaktor. 87 Prozent der Befragten in Deutschland sehen die Hauptverantwortung für die Vermeidung von Ablenkung bei sich selbst. Fahrerassistenzsysteme können unterstützen, den Fahrzeuglenker jedoch nicht ersetzen. Umso wichtiger sind Aufklärung, Fahrerschulungen und wirksame Hinweise im Fahrzeug, um das Bewusstsein der Fahrer für die Risiken von Ablenkung nachhaltig zu stärken.

 

https://www.allianz.ch/de/privatkunden.html 

 

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